Bayerische Wassertage


 

Erfolgreiche 14. Bayerische Wassertage am 14./15.11.2018 in Augsburg

Informationen aus erster Hand zu Legionellen, Wasserwirtschaft 4.0 und Mikroplastik

Der Förderverein KUMAS e. V. veranstaltete in Zusammenarbeit mit den Partnern Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH, HPC AG, MVV Industriepark Gersthofen GmbH sowie dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) zum 14. Mal in Folge die Bayerischen Wassertage. Geschäftsführer Thomas Nieborowsky konnte hierzu rund 180 Teilnehmer in Augsburg begrüßen. Bildergalerie

Präsident Claus Kumutat warnt vor negativen ökologischen Folgen der Niedrigwassersituation durch ausbleibende Niederschläge 

Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Claus Kumutat, eröffnete den Fachkongress und wies auf die prekäre Situation bei der Neubildung des Grundwassers durch ausbleibende Niederschläge und die lang anhaltende Trockenheit im Jahr 2018 hin.

Besonders in Nordbayern zeigten sich dramatische Rückgänge im Vergleich zu den Monatsmitteln um bis zu - 80 % und bis November 2018 stieg die Zahl der Messstellen mit niedrigem oder sehr niedrigem Grundwasserstand auf ebenfalls rund 80 % an. Die Grundwasserneubildung weist in Bayern seit dem Jahr 2003 ein deutliches Defizit auf und es fehlten inzwischen rund 200 l Niederschlag pro m² im jährlichen Mittel. 

Die Abwasserabgabe im Koalitionsvertrag - ein Auslaufmodell?

Ministerialrat Dr. Frank Hofmann vom Bundeministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit stellte die aktuellen Überlegungen zur Reform des Abwasserabgabengesetzes vor. Unzufrieden mit der Abfwasserabgabe als solcher zeigten sich die Betreiber sowohl einer kommunalen als auch einer industriellen Kläranlage, die die ursprünglich erhoffte Lenkungswirkung als überholt ansahen und die Gebührenzahler bzw. Indirekteinleiter jährlich mit Millionenbeträgen belastet sehen.

Prof. Dr. Erik Gawel vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung aus Leipzig sah die derzeitigen Entwürfe des BMU ebenfalls noch als verbesserungsbedürftig an, allerdings schätzte er die Lenkungswirkung der Abwasserabgabe zur Erreichung eines guten Gewässerzustandes durchaus nicht als überholt ein. Vielmehr sollte die jetzt anstehende Reform Defizite beheben. Im Rahmen der Diskussion konnte Dr. Hofmann vom BMU etliche Hinweise und Vorschläge für das weitere Gesetzgebungsverfahren aufnehmen.

Ordnungsgemäßer Betrieb von Kühlanlagen nach der 42. BImSchV

Dr. Martin Spieler von avr - Andrea Versteyl Rechtsanwälte und Yvonne Minar von SYNLAB führten in dieses wichtige Thema zur Legionellen-Prophylaxe ein. KUMAS-Netzwerkmitglieder stellten in praxisorientierten Beiträgen ihre innovativen Lösungen zur Überwachung und Beherrschung der Risiken vor. Besonders interessant war der Beitrag von Sven Benning von der Wessling GmbH, der mit drastischen Bildern die Praxis vernachlässigter Hygiene in relevanten Kühlanlagen vorstellte. 

Weitere Schwerpunkte "Wasserwirtschaft 4.0" und "Mikroplastik in Gewässern" zeigen großes Potenzial für die Zukunft

Ministerialrat Dr. Michael Altmayer vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) veranschaulichte in einem Überblicksvortrag die vielfältigen Möglichkeiten, die die Auswertung vorhandener Daten aus der Technischen Gewässeraufsicht und die intelligente Verknüpfung mit weiteren Instrumenten bietet. Präzisere Vorhersagen zu Hochwasser, Sturzfluten und den Zustand der Gewässer sind das Ziel laufender Projekte des StMUV, um in Zukunft schnell reagieren zu können.

Praxisbeispiele aus dem Kläranlagenbetrieb (InfraServ Burgkirchen) und der Grundwassermodellierung bestätigten die großen Zukunftspotenziale der Digitalisierung in der Effizienzsteigerung. Diese Themenbereiche wird KUMAS sicher in den nächsten Veranstaltungen wieder aufgreifen.

Das Thema Mikroplastik in Gewässern bewegt aktuell die Öffentlichkeit und nimmt breiten Raum in den Medien ein. Alle sind sich angesichts der Verschmutzung in den Meeren und an Stränden mit Makroplastik einig, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Mikroplastik findet sich heute in nahezu allen Oberflächengewässern. Die wesentlichen Emissionen stammen allerdings nicht - wie viele glauben - aus achtlos weggeworfenen Plastiktüten oder sonstigen Produkten aus Kunststoff, sondern im Wesentlichen aus Reifenabrieb, aus der Abfallentsorgung, Verlusten aus der Produktion, aus Freizeiteinrichtungen wie Sportplätzen oder aus Baustellen.

Die Verpackungsindustrie wies auf die vielen Vorteile von Kunststoffverpackungen hin, die sich in der Verringerung des Transportgewichtes und Energieeinsparungen zeigen. Lebensmittel können langfristig haltbar und hygienisch verpackt werden. Kunststoffverpackungen tragen wesentlich zu unserem heutigen Komfort und Lebensstandard bei. Andererseits stellt sich die Verpackungsindustrie aber auch ihrer  Verantwortung und arbeitet an der Verbesserung der Recyclingfähigkeit ihrer Produkte.

Der Fachkongress hat sich als Treffpunkt und Austauschplattform für Betreiber genehmigungspflichtiger Anlagen, Behörden, Planungs- und Gutachterbüros weit über die Grenzen Bayerns hinaus etabliert und dient dem Update zu wasserrechtlichen und umwelttechnischen Fragestellungen.

Begleitet wurde der zweitägige Kongress von einer Fachausstellung, in der sich branchenspezifische Unternehmen und Dienstleister den Besuchern präsentierten.

Der Fachkongress wurde durch unseren Medienpartner im KUMAS-Jubiläumsjahr 2018, Klassik Radio, unterstützt.