Armin Reller erhält aus der Hand von Amtschef Dr. Christian Barth das Bundesverdienstkreuz (Bild: Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)

Armin Reller und Thomas Nieborowsky im Fachforum der Woche der Umwelt 2016


 

Armin Reller mit Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

Pionierarbeit und herausragendes Engagement finden Anerkennung

Armin Reller, seit 2019 emeritierter Professor für Ressourcenstrategie an der Universität Augsburg, hat das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Das Bayerische Umweltministerium hatte den Wissenschaftler für die Auszeichnung vorgeschlagen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte anlässlich der Auszeichnung: "Unsere Gesellschaft braucht Vorbilder. Professor Armin Reller gehört zu den Menschen, die weiterdenken, visionär in die Zukunft blicken und neue Wege gehen. Er ist ein kompetenter Wegbereiter für die Zukunft. Als einer der ersten Wissenschaftler Deutschlands erkannte Professor Reller, dass wir innovative Ansätze für einen nachhaltigen Umgang mit endlichen Ressourcen brauchen. Die Gründung des ersten bayerischen Lehrstuhls für Ressourcenstrategie in Augsburg im Jahr 2010 verdanken wir seinem Engagement. Er hat Wegweisendes in Forschung und Lehre geleistet. Das Bundesverdienstkreuz ehrt sein eindrucksvolles Lebenswerk."

Armin Rellers besonderes Verdienst im Bereich der Ressourcenstrategien ist das Konzept der "Stoffgeschichte". Anders als in den klassischen Naturwissenschaften, nimmt er Stoffe in ihrem eigenen raumzeitlichen Gefüge war. Das heißt, er betrachtet Stoffe als etwas in der Zeit und in einem bestimmten räumlichen Umfeld Entstandenes. Damit gesteht er ihnen eine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu, also gewissermaßen eine Lebensgeschichte. Mit dieser lebensgeschichtlichen Perspektive werden die Stoffe individualisiert. Sie sind nun in ihrer spezifischen Stoff-Umwelt-Wechselwirkungskonstellation je gesondert zu betrachten.

Während die Naturwissenschaften tendenziell eher abstrahieren, standardisieren und quantifizieren, betont Armin Reller gerade das Nicht-Messbare, das Qualitative. Mit diesem Gegenkonzept weist er auf das hin, was im naturwissenschaftlichen Denken – das er gleichwohl anerkennt – nicht so sehr beachtet wird, worauf wir jedoch in unserem lebensweltlichen Umgang mit den Stoffen wieder mehr achten sollten.

Die Stoffgeschichten lenken den Blick auf die erdgeschichtliche Entstehung der Stoffe vor Jahrmillionen, auf ihre Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung mit all ihren sozialen und ökologischen Problemen in unserer Zeit. Und die Geschichten lassen die Stoffe auch nicht aus den Augen, wenn sie für uns Verbraucher schon nicht mehr sichtbar sind, wenn sie entsorgt sind, dabei aber in Luft, Wasser und Erdreich weiterwirken. Mit diesem Ansatz ist es Armin Reller gelungen, das Auseinanderdriften von Natur- und Geisteswissenschaften ein wenig aufzuhalten und die beiden Denkformen wieder einander anzunähern.

Die Auszeichnung erfolgte durch den Amtschef des Umweltministeriums, Dr. Christian Barth.