Bayerische Wassertage

Ministerialdirektor Dr. Rüdiger Detsch vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz eröffnete die 15. Bayerischen Wassertage

Die Bayerischen Wassertage zogen rund 200 Teilnehmer in die Umweltkompetenz- und UNESCO-Welterbe-Stadt Augsburg.

Ministerialdirektor Dr. Rüdiger Detsch vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz besuchte den Stand der Kessel AG aus Lenting zusammen mit Veranstalter und Kooperationspartnern.

Schüler der Technikerschule Augsburg besuchten die Foyerausstellung – KUMAS fördert Austausch, Information und Vernetzung auch für die Fachkräfte von morgen


 

15. Bayerische Wassertage am 6./7.11.2019 in Augsburg

Mikroplastik, die Zukunft der Trinkwasserversorgung und Anpassungen an den Klimawandel werden immer wichtiger

Der Förderverein KUMAS e. V. veranstaltete in Zusammenarbeit mit den Partnern Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH, HPC AG, MVV Industriepark Gersthofen GmbH sowie dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) am 6./7. November 2019 zum 15. Mal in Folge die Bayerischen Wassertage.

Der Fachkongress hat sich als Treffpunkt und Austauschplattform für Anlagenbetreiber, Behörden und Planungs- und Gutachterbüros etabliert. Er dient dem Update zu wasserrechtlichen und wassertechnischen Fragestellungen. Betriebsbeauftragte für den Gewässerschutz können ihre Kenntnisse auffrischen und ihrer gesetzlich geforderten Fortbildungspflicht nachkommen.

Ministerialdirektor Dr. Rüdiger Detsch vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz eröffnete die 15. Bayerischen Wassertage am Mittwoch, dem 6. November 2019. Er stellte die besondere Bedeutung der Wassertage Kongresses für die Fachwelt heraus und bedankte sich beim Veranstalter KUMAS e. V. für die Durchführung der Veranstaltung, die wieder rund 200 Teilnehmer in die Umweltkompetenz- und UNESCO-Welterbe-Stadt Augsburg zog.


Guter Zustand der Oberflächengewässer nach EU-Standards nicht erreichbar

Im Eingangs- und Überblicksvortrag stellte RA Catrin Schiffer vom BDI u. a. fest, dass Deutschland bei der Erreichung eines guten ökologischen und guten chemischen Zustandes seiner Gewässer immer noch weit hinter den Anforderungen hinterherhinke. Stand 2018 erreiche kein einziges Bundesland die nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gesteckten Ziele. Auch zeichne sich ab, dass sich daran bis zum Ende des nächsten Bewirtschaftungszyklusses, also bis zum Jahre 2027, nichts ändere und die Ziele weiter verfehlt werden. Auch im EU-Durchschnitt haben lediglich 38 % der Oberflächengewässer einen guten chemischen Zustand und nur 40 % einen guten ökologischen Zustand bzw. gutes ökologisches Potenzial. Grund sei u. a., dass eingeleitete Maßnahmen nur zeitverzögert Wirkung zeigten. Fristverlängerungen zur Erreichung der Ziele sind nach dem Jahr 2027 nur noch unter erschwerten Bedingungen bzw. gar nicht mehr möglich. Deutschland wird sich ab dann also – wie auch andere EU-Mitgliedsstaaten – in einem dauerhaften Vertragsverletzungsverfahren befinden. Fazit: Um die Ziele bis 2027 zu erreichen, werden enorme Anstrengungen aller beteiligten Kreise notwendig sein, um drohende Klagen abzuwenden.


Mikroplastik in Gewässern

Kunststoffe – gemeinhin „Plastik“ genannt, haben große Vorteile in der Haltbarmachung von Lebensmitteln, für einen umweltgerechten Transport, in der technischen Ausrüstung von Maschinen, Elektrogeräten und vielen Artikeln des täglichen Lebens. Weltweit wurden im Jahr 2018 rund 360 Mio. t Kunststoffartikel hergestellt bzw. in Umlauf gebracht. Plastikmüll findet sich inzwischen überall. Kunststoffpartikel werden inzwischen in den entlegensten Winkeln der Welt – von der Arktis bis in die Tropen, von der Wasseroberfläche bis in die Tiefsee festgestellt. Die Menschheit weiß aber immer noch zu wenig über die Eintragspfade und die damit verbundenen Risiken für die Ökosysteme und die Gesundheit.

Dr. Martin Löder von der Universität Bayreuth berichtete von den Arbeiten im „Sonderforschungsbereich Mikroplastik“. Neue, wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Bewertung der Umweltrisiken von Massenkunststoffen werden hier erarbeitet. Haupteintragspfade von Plastik – egal ob Makro- oder Mikroplastik – sind Flüsse, die als Zubringer für Meere anzusehen sind. Auch in Binnengewässern kann aber inzwischen in nahezu jeder Probe Mikroplastik festgestellt werden. Insbesondere in den Sedimenten der Uferbereiche werden hohe Konzentrationen registriert – teilweise bis zu 130.000 Partikel pro m²! Über die genauen Eintrags- und Wirkungsmechanismen liegen Stand heute allerdings noch viel zu wenige Daten vor, um konkrete Handlungsempfehlungen z. B. für den Gesetzgeber, auszusprechen.


Die Zukunft der Trinkwasserversorgung

Trinkwasser ist nicht nur in Bayern das bestüberwachte Lebensmittel. In Bayern stammt Trinkwasser aber nicht nur aus Tiefbrunnen. Ein Teil des geförderten Trinkwassers stammt aus Uferfiltrat oder Oberflächengewässern (ca. 130 Mio. Liter jährlich, dies entspricht rund 13 % der gesamt geförderten Menge). Durch den stetigen Fortschritt in der hydrochemischen Analytik liegen für die Ressource Trinkwasser heute zudem immer genauere Analysewerte vor. Immer kleinere Konzentrationen an Schadstoffen können so festgestellt werden.

So wird festgestellt, dass Wassergewinnungsanlagen mit Uferfiltrat- oder Oberflächenwassereinfluss gegenüber Quellen und reinen Grundwassergewinnungen grundsätzlich zusätzlichen Risiken unterworfen sind. Ein vollwirksamer Trinkwasserschutz kann je nach Standortbedingungen dabei oft nicht gewährleistet werden.

Dies stellt betroffene Trinkwasserversorger vor neue Herausforderungen. Am Landesamt für Umwelt wurde deshalb das Projekt „Klimaanpassung und Wasserversorgung“ gestartet, das relevante Standortparameter an den bayerischen Wassergewinnungsanlagen mit Uferfiltrateinfluss untersuchen und anschließend eine fundierte Risikoeinschätzung und Risikobewertung erarbeiten soll.

Die Instandhaltung der Trinkwasserverteilnetze ist insbesondere für viele kleine bayerische Gemeinden, Zweckverbände oder Wasserversorgungsunternehmen eine große Herausforderung! Bisher werden Überprüfungen und Sanierungen der Leitungsnetze häufig nach der finanziellen Situation der Gemeinde bzw. einem festen Anteil des Gebührenaufkommens durchgeführt und nicht nach dem Zustand der Leitungen und dem tatsächlichen Sanierungsbedarf. Dies kann negative Folgen für die Umwelt und für die Anschlussnehmer haben!

Etwa 10 bis 15 Prozent aller Abwasserkanäle und Trinkwasserleitungen in Bayern müssen in den kommenden Jahren saniert oder erneuert werden. Damit gehen hohe Kosten und ggf. Einschränkungen bei der Nutzung für die Kunden einher. Mit der Kampagne „Schau auf die Rohre“ wollen die Fachbehörden sowohl bei den Bürgerinnen und Bürgern als auch bei den kommunalen Entscheidungsträgern mehr Bewusstsein für die Notwendigkeit der Instandhaltung der Netze schaffen.


Starkregen und Sturzfluten – Folge des Klimawandels mit verheerenden Auswirkungen

Die Sommer der letzten Jahre brachten immer neue Temperatur- und Hitzerekorde mit sich, gleichzeitig aber lokal immer häufigere Starkregenereignisse. Nach trockenen, heißen Tagen folgten extreme Regenfälle. Diese Beobachtung lässt sich auch statistisch nachvollziehen, wie Maria Foltyn vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, Hof anhand der Ergebnisse verschiedener Studien nachweisen konnte. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Starkregen ist im Prinzip immer und überall möglich! Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel ist gegeben, denn wärmere Luft kann auch mehr Wasser aufnehmen, das sich dann bei ungünstigen meteorologischen und kleinklimatischen Bedingungen schlagartig in heftigen Regengüssen niederschlägt. Für Kommunen, Unternehmen aber auch Bürgerinnen und Bürger ist es unerlässlich, sich vor den negativen Folgen zu wappnen. Digitale Modelle können zukünftig die Vorhersagen von Starkregenereignissen verbessern und somit zur Schadensreduzierung beitragen. Aus Analysen zur Gefahrenermittlung und Risikobeurteilung können Maßnahmenpläne für eine wirksame, vorbeugende Planung entwickelt werden. Wie Dr. Miriam Dünnforth von der Versicherungskammer Bayern beispielhaft belegen konnte, waren zwischen den Jahren 2002 – 2019 von 26 der größten Elementarschadensereignisse 21 Ereignisse durch Starkregen verursacht. Die Prognosen zum fortschreitenden Klimawandel lassen erwarten, dass sowohl die Zahl der Ereignisse als auch die Schadensumfänge im Laufe des 21. Jahrhunderts zunehmen werden.

Das Programm der 15. Bayerischen Wassertage (pdf)

Die Referenten der 15. Bayerischen Wassertage (pdf)


Begleitet wurde der zweitägige Kongress von einer Fachausstellung, in der sich branchenspezifische Unternehmen und Dienstleister den Kongressteilnehmern präsentierten.

Die Veranstaltungspartner der 15. Bayerischen Wassertage (alphabetisch):
ABB Automation Products GmbH
avr Andrea Versteyl Rechtsanwälte PartGmbB
Bayerische Gemeindezeitung
Bayerisches Landesamt für Umwelt
DHI-WASY GmbH
Endress+Hauser Messtechnik GmbH+Co. KG
Funke Kunststoffe GmbH
Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH
Hach Lange GmbH
HPC AG
Industrie- und Handelskammer Schwaben
InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG
KESSEL AG
KOMMUNAL topinform
Lexxion Verlagsgesellschaft mbH
Magellan - geoinform AG
MVV Industriepark Gersthofen GmbH
SYNLAB Analytics & Services Germany GmbH
tandler.com GmbH
VTA Deutschland GmbH
Vulkan-Verlag - gwf Wasser-Abwasser
weyer gruppe